Wird die Klimakonferenz in Paris zu grundlegenden Fortschritten führen?

Genau eine Woche Klimagipfel in Paris. Was wurde bis jetzt dort erreicht? Dieses Gruppenfoto […] vom Eröffnungstag.
(Quelle, gekürzt)

Oliver Welke deutet rechts neben sich, wo das Foto des Eröffnungstag mit den Regierungschefs dieser Welt eingeblendet wird. Obwohl die Klimakonferenz in Paris gerade einmal eine Woche andauert, werden die Aussichten auf Erfolg bereits bezweifelt und wie es Oliver Welke in der Heute-Show darstellt, droht die Konferenz, die eigentlich endlich Fortschritte bringen sollte,  zum selben Flop zu werden, wie die Vorgänger-Konferenz in Kopenhagen 2009.

Die Dringlichkeit „etwas“ zu tun

Der Artikel „Warum der Klimagipfel in Paris ein Erfolgenden muss“ von Manuel Bogen erklärt anschaulich in fünf Grafiken wichtige Hintergründe und die Dringlichkeit endlich zu Handeln. Doch in dieser Sache scheint man sich jedoch endgültig sicher zu sein: Es muss etwas passieren. Auch US-Präsident Barack Obama zeigte sich nun schließlich einsichtig. Doch letztlich blieb es bei diesem Statement:

We embrace our responsibilty to do something about it.
(Quelle)

Da die USA die größte Volkswirtschaft und der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen ist, wird diese Einsicht sehr begrüßt und ist auch zwingend notwendig, um den Klimawandel einzudämmen. Schließlich bleibt jedoch die Frage, wie das „something“, das Barack Obama verspricht, aussehen soll. Als Ziel der Verhandlungen gelten in einem neuen Klimavertrag schriftlich formulierte, verbindliche Maßnahmen für die Staaten dieser Welt, die die Erderwärmung auf zwei Grad beschränken sollen. Doch nicht einmal bei diesem sogenannten 2-Grad-Ziel ist man sich einig.

Reicht das 2-Grad-Ziel überhaupt?

Nach meinem Dafürhalten ist das 2-Grad-Ziel eine Kapitulation vor den Bedürfnissen der Umwelt.
(Quelle)

Der Klimaforscher Mojib Latif erklärt in einem Interview mit dem ZDF, welche Folgen man für die Natur und die Menschen in manchen Regionen auf der Erde mit einer Einigung auf dieses Ziel in Kauf nehmen würde. Inselstaaten wie die Malediven, deren Inseln sich größtenteils nur mehrere Zentimeter über dem Meeresspiegel befinden, würden bei einer Erderwärmung um 2°C bereits untergegangen sein. Aus Solidarität für jene Staaten sprach sich daher nun Bundeskanzlerin Angela Merkel für das 1,5-Grad-Ziel aus. Dieses Ziel würde im Gegensatz zu 2-Grad-Ziel nicht eine globale Erwärmung von weniger als 2°C, sondern von weniger als 1,5°C gegenüber der globalen Mitteltemperatur vor Beginn der Industrialisierung (ca. 1850). Für diesen „mutigen Akt der Solidarität“ warb Deutschland als erster Industriestaat.

Während dieses Ziel für Staaten wie die Malediven lebensrettend wäre, ist die Forderung von Angela Merkel für Staaten, deren Wirtschaft abhängig vom Öl-, Kohle- und Gas-Export ist, absurd. Länder wie Saudi-Arabien oder Venezuela hätten aufgrund dieser Abhängigkeit bereits Schwierigkeiten mögliche Anforderungen für das 2-Grad-Ziel einzuhalten. Die Akzeptanz für das 1,5-Grad-Ziel und die Durchsetzung in diesen Staaten ist dementsprechend höchst unwahrscheinlich.

Aussichten auf Erfolg in Paris

Gibt es überhaupt noch Hoffnung, dass verbindliche Maßnahmen zumindest für das 2-Grad-Ziel auf der Klimakonferenz in Paris erreicht werden und somit grundlegende Schritte gegen den Klimawandel getan werden können? Mojib Latif gibt auf diese Frage eine wohl eher enttäuschende Antwort:

Paris wird den Durchbruch nicht bringen. Jetzt spricht man schon davon, dass es der Beginn eines Prozesses sein soll, aber wie gesagt: Der Prozess hat schon vor einem Vierteljahrhundert begonnen.
(Quelle)

Sollte es zudem bei Selbstverpflichtungen bleiben, die keine echten Verpflichtungen in dem Sinne sind, da ein Nicht-Einhalten in keiner Form wirtschaftliche beziehungsweise politische Folgen für den jeweiligen Staat hätte, sieht der Klimaforscher keine Chancen für grundlegende Fortschritte nach der Klimakonferenz.

Auch trotz der oben angesprochenen Einsicht der USA, bleiben immer noch CO2-Emissions-Schwergewichte, wie China, deren Emission an Treibhausgasen bereits heute am zweit höchsten ist und aufgrund des starken wirtschaftlichen Wachstum die nächsten Jahre wohl entscheidend weiter zu nehmen wird – wenn denn so weiter gemacht wird, wie bisher. Doch eben jene Entwicklung- und Schwellenländer wollen nun – was letztlich auch zumindest nachvollziehbar ist – nicht im gleichem Maße Emissionen verhindern, wie die Industriestaaten, da der wirtschaftliche Aufschwung der Industrieländer damals nicht durch Umweltschutz gehemmt wurde. Warum sollte nun das wirtschaftliche Wachstum Chinas oder Indiens durch vergangene umweltpolitische Fehler der heutigen Industrieländer eingeschränkt werden? Zudem argumentieren Länder wie China auch  anhand der CO2-Emission pro Kopf, die in China gerade einmal halb so groß ist, wie in den USA.

Letztendlich bleibt es also doch unwahrscheinlich, dass die Klimakonferenz in Paris ihren Erwartungen im Vorfeld gerecht werden kann. Doch noch bleibt eine Woche um Experten und Kritiker vielleicht doch zu überraschen, indem egoistische Einzelinteressen im Sinne des Gemeinwohls unserer Erde und der Weltgemeinschaft zurückgestellt werden, sodass tatsächlich ein Vertrag entsteht, der als anspruchsvolle aber umsetzbare Grundlage für eine nachhaltige Zukunft und letztlich für die Rettung unserer Erde dienen kann.

 

 

2 thoughts on “Wird die Klimakonferenz in Paris zu grundlegenden Fortschritten führen?

  1. so.sei says:

    Der Artikel zu der Klimakonferenz in Paris und deren Fortschritte ist dir sehr gut gelungen. Dadurch, dass du die aktuellen Situationen des Klimawandels aber auch der Klimakonferenz kritisch hinterfragst, wird dein Text gut leserlich, ansprechend und interessant. Passende Zitate, die du verwendet hast, wurden gut in den Text mit eingebracht und durch die unterschiedlichen Gliederungen bekommt der Text eine gute Struktur.

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