Lebe ich durch den Verzicht auf Fleisch nachhaltiger?

Wir Deutschen lieben Fleisch. 88,3 Kilogramm Fleisch aß der Deutsche im Jahr 2014. Schweinefleisch steht dabei ganz oben in der Liste, da es auch günstiger im Vergleich zu Lamm- oder Rindfleisch ist. Den Sonntagsbraten gibt es heute nicht mehr, wir essen so gut wie jeden Tag Fleisch. Doch warum essen wir so viel Fleisch, obwohl Fleisch als Klimasünder zählt? Ich sehe die Gründe darin, dass es eine tiefe Tradition ist Fleisch zu konsumieren. Schon unsere Vorfahren jagten Tiere, nicht nur wegen des Fleisches, sondern um sich durch ihr Fell warm zu halten. Auf der anderen Seite denke ich, dass viele Menschen einfach zu faul sind, sich mit anderen Ernährungsweisen auseinanderzusetzen, da mit Fleisch eine Proteinquelle gestrichen wird. Zum anderen wird Fleisch konsumiert, da es vielen Leuten ganz einfach schmeckt. Ich habe mich gegen den Fleischkonsum entschieden, hauptsächlich aus ethischen Gründen und dem simplen Grund, dass es mir einfach nicht schmeckt. Die Umweltrisiken die der Fleischkonsum mit sich zieht sollen in meinem Blogpost erklärt werden. Natürlich gibt es viel mehr Gründe gegen den Fleischkonsum, dies würde meiner Meinung nach aber den Rahmen sprengen.

Sicher werden viele Vegetarier oder Veganer den Spruch „Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg“ schon einmal gehört haben. Damit ist wohl gemeint, dass die pflanzlich basierte Kost so viel Soja beinhaltet, so dass Rinder nicht mehr ernährt werden können. Dieser Spruch ist jedoch überhaupt nicht treffend, da 80% des Sojaanbaus für Tierfutter und nur 1% für andere Sojaprodukte wie Milch oder Joghurt verarbeitet wird. Die meisten Produkte, welche auf Sojabasis hergestellt werden, beinhalten Soja aus Europa. Auch die Angst vor genmanipuliertem Soja erweist sich als falsch, da der Anbau in Europa verboten ist. Obwohl Rinder sich eigentlich von Gras ernähren könnten, wird ihnen Kraftfutter aus Sojabohnen zugefüttert, da sie sehr eiweißreich und energiereich sind. Es gibt zu viele Tiere in Deutschland um sie mit hier angebautem Soja zu füttern oder ihnen Weideland zur Verfügung zu stellen, deshalb müssen Sojabohnen aus Südamerika exportiert werden. Um Platz für Sojamonokulturen bereitzustellen wird jedes Jahr eine Fläche so groß wie Griechenland im Regenwald abgeholzt. Viele Tiere und Menschen werden aus ihrem ursprünglichen Lebensraum vertrieben. Natürlich ist die Vertreibung von Tieren oder Völkern nicht die einzige Folge, die der Fleischkonsum mit sich bringt. Weitere Folgen sind zum Beispiel die negativen Auswirkungen auf das Klima, oder auch die Beeinträchtigung des Wasserkreislaufes.

Wie sind die Fakten nun bei einer pflanzlich basierten Ernährungsweise?

Von einem Hektar Kartoffeln kann eine ganze Fußballmannschaft, inklusive Trainer und Ärztestab versorgt werden . Wird auf einem Hektar Fläche Fleisch erzeugt, so reicht es nur für zwei Personen. Auch der Wasserverbrauch von Fleisch ist erschreckend hoch. Für die Bewässerung der Futterpflanzen, das Trinkwasser für die Tiere und für die Reinigung der Ställe werden bis zu 4.000 Liter Wasser benötigt. Ein Apfel benötigt nur 70 Liter Wasser. Doch trotzdem sollte man bei dem Kauf von importierten Obst- und Gemüsesorten acht geben. In sehr trockenen Gebieten, wie zum Beispiel in Spanien, ist Wasser zum Bewässern dringend erforderlich, wo es doch eigentlich die Bevölkerung nötiger hätte. Das folgende Bild vergleicht neun verschiedene Lebensmittel unter dem Aspekt des Wasserverbrauchs für die Produktion von einem Kilogramm.

Wasserverbrauch für die Produktion von 1 kg Lebensmittel  

Das Fazit meines Post lautet:  Es muss weniger Fleisch gegessen werden. Um dieses Ziel zu erreichen muss einiges geändert werden. Zum einen die Vorstellung, dass Weideland und Alpenkulisse nicht real sind, wenn man als Konsument ein Hähnchenschenkel zum Kilopreis von 2€ ergattert. Massentierhaltung und Qual sind hier an der Ordnung. Kleine Familienbetriebe sterben durch die Verträge mit Großkonzernen aus, wenn sie die gewünschte Masse an Tieren nicht bereitstellen können *. Meiner Meinung ist es ein Anfang, wenn der Konsument auf Fast Food Ketten wie McDonalds oder Burger King verzichtet. Zudem sollte der Konsument sein Fleisch von dem Metzger seines Vertrauens beziehen, denn hier weiß man eher, wie Schlachtung und Aufzucht des Tieres verliefen.

Lebe ich nun durch den Verzicht auf Fleisch nachhaltiger als mein Nebenmann? Nein, bestimmt nicht, aber ich denke, dass ich einen Schritt in die richtige Richtung mache. Durch meinen Fleischverzicht gestalte ich nur einen kleinen Teil meines Lebens nachhaltiger. Dafür sündige ich in anderen Teilen, zum Beispiel bei meinem Einkaufsverhalten: Ich liebe es neue Kleidung zu kaufen, egal ob ich ein neues Kleidungstück brauche oder nicht. Faktoren wie das virtuelle Wasser oder die Bedingungen, unter welchen das Kleidungsstück hergestellt wurde, blende ich aus. Auch hier muss ich mir an die eigene Nase fassen, und dies zukünftig ändern.


* Diese Informationen sind mir aus dem Buch: Der große Bio Schmäh von Clemens G. Arvay bekannt.

5 thoughts on “Lebe ich durch den Verzicht auf Fleisch nachhaltiger?

  1. Ein sehr gelungener Beitrag, sowohl inhaltlich wie sprachlich. Besonders positiv finde ich, dass Sie am Ende reflektieren, dass Sie trotz vegetarischer Ernährung mit Hinblick auf die Nachhaltigkeit auch »Schwächen« haben.

    Eine winzige sprachliche Sache ist mir aufgefallen: »Dafür müssen andere Teile büßen, zum Beispiel mein Einkaufsverhalten«. Das Einkaufsverhalten kann ja nicht büßen, auch nicht im übertragenen Sinne. Auch Sie büßen nicht mit Ihrem Einkaufsverhalten. Wahrscheinlich meinen Sie eher: »Dafür sündige ich in anderen Teilen, zum Beispiel bei meinem Einkaufsverhalten«.

  2. Anna says:

    Ein sehr guter Beitrag. Ich empfinde die Person, die diesen Post geschrieben hat, als sehr reflektiert.
    In der Einleitung erklärst Du Deine Sichtweise, der Beitrag ist sachlich und nicht vorwurfsvoll.
    Dass auf Verpackungen von Produkten aus Massentierhaltung auch die wahren Gegebenheiten abgebildet werden sollten, kann ich nur unterstützen. Es muss mehr Aufklärungsarbeit bzgl. Haltungsbedingungen und Preisgestaltung erfolgen. Gelegentlich höre ich Kunden, beim Verlassen des Geschäfts des Metzgers meines Vertrauens, die sich über den Preis beschweren. Dann wird mir bewusst, dass diesen Menschen der Wert eines Lebensmittels nicht bewusst ist.
    Auch Dein Fazit, erstmal weniger Fleisch zu konsumieren finde ich sehr gut, weil realistisch. Und Deine Ehrlichkeit bzgl. Deiner Schwächen z.B. Deines Einkaufverhaltens ist bemerkenswert. Du sagst auch, dass Du an ihnen arbeiten wirst – Du ruhst Dich also nicht auf einem Erfolg aus.
    Es war mir eine Freude diesen Post zu lesen (als Fleischesser) 😉

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