Bin ich nachhaltig mobil?

Die Diskussion um Nachhaltigkeit und deren Durchsetzung scheint oft nur eine Angelegenheit der Politik zu sein. Umbau der Wirtschaft, Förderung von erneuerbaren Energien, Klimakonferenzen – auf all diese Maßnahmen hat der einzelne Bürger keinen Einfluss und scheint bei der Entwicklung einer nachhaltig lebenden Gesellschaft keine Rolle zu spielen. Dabei wird allerdings oft vergessen, dass gerade der einzelne Bürger ein direkter  – wenn auch ein sehr kleiner  – Bestandteil dieser Gesellschaft ist.

Natürlich geht die Leistung eines einzelnen nachhaltig lebenden Menschen neben 80 Millionen nicht-nachhaltig handelnden Mitmenschen in Deutschland unter und gegen den großen Einfluss einer Umstellung in der Klimapolitik auf der Weltklimakonferenz komme ich mit meiner Entscheidung Bus statt Auto zu fahren auch nicht an. Wozu also soll eine Umstellung meines Alltags dienen? Ist es in Relation zu dem Aufwand, den eine solche Umstellung macht, nicht doch sinnvoller einfach weiter so zu leben wie bisher?

Gerade solche Fragen bewegten mich mitunter am meisten dazu, den Seminarkurs für das Thema Nachhaltigkeit zu belegen. Mit dieser Wahl habe ich mich selbstverständlich nicht dazu verpflichtet, meinen Alltag vollkommen auf die Erreichung eines möglichst nachhaltigen Lebensstil auszurichten, dennoch achte ich – seitdem ich durch die wöchentlichen Sitzungen auch einen gewissen Input zu dem Thema erhalte – darauf, wie nachhaltig ich selbst denn eigentlich bereits gelebt habe, wo ich meine Gewohnheiten zu Gunsten eines nachhaltigeren Lebensstil einfach umstellen kann und wie es in meiner direkten Umgebung mit Themen wie nachhaltiger Mobilität oder dem Energiesparen aussieht.

In den letzten Wochen habe ich dabei vor allem auf das Thema Mobilität geachtet. Meinen Beobachtungen zufolge ist gerade dieses Thema eines, bei dem man als einzelne Person doch recht schnell auch auf die Mobilität von Freunden Einfluss nehmen kann und so nicht nur eine Einsparung von CO2-Emissionen von einem selbst erreicht wird, sondern auch von zwei Freunden, wenn man sich dazu entschließt zu dritt eine Fahrgemeinschaft zum Fußball-Training zu gründen. Da andernfalls drei Autos fahren würden, kann man durchaus sagen, dass man als einzelne Person als Begründer der Fahrgemeinschafts-Idee hier doch schon etwas mehr Einfluss auf nachhaltige Mobilität hat.

Gerade bei Jugendlichen, die, wenn es um Autofahren geht, immer auf das Taxi Mama angewiesen sind und somit mit einem Auto auch nur bedingt wirklich unabhängig sind, da sie bei Zug und Bus zwar auf Fahrzeiten angewiesen sind, aber auch die Mutter nicht andauernd zur Verfügung steht, ist die Nutzung von Öffentlichen Verkehrsmitteln sinnvoll. Eine gemeinsame Fahrt mit Freunden macht ohnehin Spaß, da man so auch schon Zeit miteinander verbringen kann und sich unterhalten kann. Nebenbei ist man mit Bus und Bahn umweltfreundlicher unterwegs (siehe Abbildung unten) und Mütter werden entlastet.

Neben meinen Beobachtungen bin ich bei Recherchen zu CO2-Emissionen von verschiedenen Transportmitteln zwar auf bekannte Reihenfolgen in der Umweltfreundlichkeit dieser Transportmittel gestoßen, wie groß Emissions-Einsparungen durch die Wahl verschiedener Verkehrsmittel sein kann, war mir jedoch neu.

Vergleich der CO2-Emissionen verschiedener Verkehrsmittel pro Kopf
Screenshot des Schaubilds „Vergleich der Emissionen einzelner Verkehrsgüter im Personalverkehr, 2010“; https://www.energieatlas.bayern.de/file/jpg/226/o/CO2_Vergleich_Verkehrsmittel.jpg, 09.01.2016

 

Die Ergebnisse meiner Recherche bestärken mich darin, weiterhin mit dem Bus zur Schule zu fahren und den Weg zum Bus – trotz noch früherem Aufstehen – zu laufen. Außerdem bestärkt es mich darin, nicht unnötig oft mit dem Auto wegzufahren, sondern möglichst viel mit einer Fahrt zu erledigen. Beispielsweise schon dann zu einem Freund fahren lassen, wenn meine Mutter ohnehin einkaufen geht und nicht erst eine Stunde später (wie es vielleicht eigentlich ausgemacht war).

Bei der Nutzung von Bus und Bahn, die im Vergleich zum Auto in Sachen Umweltfreundlichkeit offensichtlich besser wären, stellt sich bei mir jedoch das Problem, dass mein Ort sehr schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen ist. Ich wohne in einem Dorf mit ca. 3000 Einwohner; ein Bus fährt zur Schule und zurück und sonst ein weiteres Mal am Tag. Der Bahnhof ist auf der anderen Seite des Dorfes, weshalb ich davor und danach (den Berg herauf) einen Kilometer laufen muss – das Auto für diese Strecke zu benutzen wäre wiederum auch unsinnig.

Zu eben jenem Problem bin ich bei Beobachtungen und Überlegungen zur nachhaltigen Mobilität des öfteren gekommen. Wie groß muss eine Umständlichkeit sein, damit das Achten auf meine Nachhaltigkeit für mich persönlich oder auch ganz objektiv keinen Sinn mehr macht. Durch den Seminarkurs habe ich die Wichtigkeit des Themas Nachhaltigkeit kennengelernt und auch die damit verbundene Verantwortung, die meiner Meinung nach jedem auferlegt ist, etwas für die „Rettung“ unserer Welt zu tun. Doch irgendwo gibt es dann doch einen Punkt, an dem der tatsächliche Nutzen dieser einen Tat für die Umwelt zu klein für den Umstand oder auch die Zeit ist, den ich durch meine nachhaltige Tat habe.

Wir haben beispielsweise Freunde in Dresden, die wir über das Wochenende ab und zu besuchen. Eine Fahrt dauert von Freiburg ca. sechs Stunden ohne Stau (was unwahrscheinlich ist und dieser neben der Zeit auch zusätzlich Nerven kosten würde). Ein Flug spart dabei viel Zeit und ist auch ohne Stress noch Freitagabends machbar. Mit dem Auto steht schließlich Hin- und Rückfahrzeit mit der tatsächlichen Besuchszeit in keinem sinnvollem Verhältnis, weshalb ich mich in solchen Fällen doch für den Flieger entscheiden würde.

Letztendlich steht es in solchen Fällen auch jedem selber zu, zu entscheiden, wann genau dieser Punkt für ihn erreicht ist. Dass man selbst als einzelne Person nichts zum Thema Nachhaltigkeit beitragen kann, gilt als Ausrede jedoch nicht. Was wäre, wenn jeder so denken würde? Die Erreichung einer nachhaltigeren Welt betrifft jeden und gelingt nur, wenn alle zusammen einen kleinen Schritt in diese Richtung machen.

 

2 thoughts on “Bin ich nachhaltig mobil?

  1. Anna says:

    Hallo ju.feu,
    ich wohne bei Köln und besuche meine Familie öfter in Rostock. Das sind auch ca. 6 Std Reisezeit. Daher fahre ich nicht von Freitag bis Sonntag, sondern z.B.über ein verlängertes Wochenende. Wenn Du aber den Inlandsflieger doch vorziehen musst, vllt. ist ein Ausgleich eine Idee für Dich. Guck Dir das mal an (bes. Min. 4:30) https://www.youtube.com/watch?v=ov5Jo_GQMzM
    Eine Spende können Deine Eltern bei der Steuererklärung einreichen oder Du kaufst deren Schoki und zeigst über „strategischen Konsum“ was Du möchtest bzw. was Du unterstützt.
    Wir wählen nicht nur alle 4 Jahre, sondern jedesmal wenn wir an der Kasse oder im Internet Geld ausgeben.

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