Ballspiel – Ein Spiel um Leben und Tod

Fußball, Basketball, Handball und Volleyball sind heute sehr beliebte Ballsportarten. Doch ein Ballspiel, bei dem die Verlierer den Göttern geopfert werden, würde in der heutigen Welt wohl kaum jemand spielen. Dieses Spiel wurde jedoch vor der Eroberung Südamerikas durch Spanien und Portugal in nahezu jeder dortigen Stadt gespielt. Das Ballspiel hat seinen Ursprung in der olmekischen Kultur. Olmeken ist aztekisch und bedeutet „Gummi-Leute“. Die Verarbeitung von Naturkautschuk zu elastischem Material ist wohl eine olmekische Innovation. Die frühesten Funde der Gummibälle sind auf die Jahre zwischen 1600 v. Chr. und 1200 v. Chr. zu datieren.

Die meisten Augenzeugenberichte beziehen sich auf die Azteken und die Maya. Das Ballspiel war im ganzen Kulturareal von Mesoamerika verbreitet. Das umfasst hauptsächlich Mittelamerika und den Norden Südamerikas. Das Wissen über die Verbreitung des Ballspiels geht aus archäologischen Funden von Ballspielplätzen hervor. Vor allem die Maya waren begeisterte Ballspieler. Es wurde keine Stadt gefunden, in der es nicht mindestens einen Ballspielplatz gab. Meistens wurden die Ballspiele bei großen Zeremonien abgehalten. Beim Ballspiel ging es jedoch nicht um Spaß. Das Ballspiel war eine todernste Angelegenheit. Es war eine religiöse Handlung zu Ehren der Götter. Meistens endete das Spiel mit der Opferung eines Menschen. Dabei wurde meistens der Kapitän der Verlierermanschaft oder auch die komplette Manschaft mit Seilen zusammengeschnürt. Danach wurden die Verlierer wie ein Ball die Treppen der Tempelpyramiden heruntergestoßen.

Es gibt aber auch Archäologen, die glauben, dass die Gewinner geopfert wurden. Die Maya sahen den Tod nicht als Ende. Der Tod war vielmehr ein Übergang in eine andere Welt. Es wäre also eine Ehre den Göttern geopfert zu werden.

Forscher vermuten, dass die Maya bei den Spielen nicht viel sportliche Fairness zeigten, was kaum Verwunderung erzeugt, wenn man bedenkt, welche Folgen ein Spiel haben konnte. Oft wurden die Spiele auch nach der Eroberung einer Stadt veranstaltet. Dann mussten die Könige auf dem Spielfeld um ihr Leben kämpfen. Dabei spielten sie gegen die besten Spieler der Eroberer und bekamen oft nur schlechte oder gar keine Schutzausrüstung.

Die Schutzausrüstung war jedoch wichtig, wenn man bedenkt, dass der harte Kautschukball wohl soviel wie ein Medizinball wog. Um sich vor den Zusammenstößen zu schützen, trugen die Spieler eine Schutzausrüstung aus Leder und Holz an den Unterarmen, den Hüften und den Knien. Dadurch erinnern die Ballspiele vielmehr an römische Gladiatorenkämpfe.

Die Regeln des Ballspiels variierten sehr. Man weiß nur sehr wenig darüber, wie genau das Spiel augesehen haben muss. Fest steht jedoch, dass der Ball nur mit der Hüfte, den Knien und den Armen gespielt werden durfte. Hände und Füße waren verboten. Normalerweise mussten die Spieler den Ball durch Ringe in sechs Metern Höhe am Spielfeldrand schlagen. Jedoch gibt es auch Berichte und Funde, die darauf schließen lassen, dass der Ball ohne auf dem Boden aufzukommen in das gegnerische Spielfeld gespielt werden musste. Es gab auch eine Variante, bei der mit Schlägern gespielt wird. Abgesehen von den Regeln unterscheiden sich auch die Funde: Manche Bälle sind so groß wie Tennisbälle andere ähneln Fußbällen. Genauso unterscheidet sich die Länge der Plätze, auf denen das Ballspiel gespielt wurde. Angesichts diesen Aspekts ist es wohl falsch von „dem Ballspiel“ zu sprechen.

Die Pflanzen, die man benötigte, um die Bälle herzustellen, sind in Mexiko der Castillabaum und der Guayulestrauch. In Südamerika bezog man den Latex (Gummisaft) aus der Hevea brasiliensis, die bis heute noch Quelle für den natürlichen Kautschuk ist.

Das Ballspiel war sicherlich nicht mit so viel Spaß verbunden wie heute Fußball oder Basketball. Das hat vor allem mit dem religiösen Hintergrund zu tun. Jedoch kann das Ballspiel als Vorläufer für die heutigen Ballspiele angesehen werden. Tatsächlich wird auch noch heute in einigen Gegenden das traditionelle Ballspiel praktiziert.

Quellen: Bolzen in der Unterwelt, Frankfurter Allgemeine

                Ballspiel bei den Maya, Geolino

Das Ballspiel im präkolumbischen Amerika 

 

 

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