Warum wollen die Indigene unkontaktiert bleiben ?

Brasiliens Amazonasgebiet ist Heimat der weltweit größten Anzahl unkontaktierter Völker. FUNAI, brasilianischen Behörde für indigene Angelegenheiten schätzt ihre Anzahl auf mindestens 100 Gruppen. In Acre  gibt es beispielsweise bis zu 600 Indigene , die zu vier unterschiedlichen Gruppen gehören. Dort leben sie in Ruhe innerhalb mehrerer abgegrenzter Gebiete. Aber sie wollen unkontaktiert bleiben, was man daraus schließen kann, dass sie mit Pfeilen auf außenstehende und Flugzeuge geschossen haben oder vermeiden den Kontakt, indem sie sich in den Tiefen des Waldes verstecken. Doch warum wollen sie unkontaktiert bleiben?

Früherer Kontakt mit verheerenden Folgen und die fortschreitende Zerstörung und Inbesitznahme ihres Waldes und somit auch ihrer Heimat sind sehr wahrscheinlich Gründe dafür. Einer davon ist, dass die Indigenen keine Abwehrkräfte gegen andernorts weit verbreitete Krankheiten haben. Als Beispiel wurden 50 Prozent eines Volkes innerhalb von einem Jahr nach Kontakt mit der Außenwelt ausgelöscht, und zwar durch Krankheiten, wie Masern oder Grippe, welche für uns  nicht den Tod bedeuten würden.

Darüber hinaus sind Konflikte und gewaltsame Zusammenstöße die häufigsten Folgen wirtschaftlicher Aktivitäten in Gebieten, in denen unkontaktierte Völker leben. Solche Konflikte haben zum Tode einiger Außenstehender und vieler Indigener geführt. Die letzten vier Überlebenden der Akuntsu haben brutale Angriffe erlebt, wurden Zeugen eines Massakers an ihren Gefährten und sahen zu, wie die Bulldozer der Grundbesitzer ihre Häuser zerstörten.

Hier ist noch ein anderes Beispiel für ein Massaker welches fast einen ganzen Stamm vernichtet hat. Zwischen den 1920er und 1960er Jahren erlebte das Amazonas-Volk Cinta Larga  eine Welle brutaler Angriffe durch brasilianische Gummizapfer. Ein bekannter Zwischenfall, das „Massaker vom 11. Breitengrad“, fand 1963 im Quellgebiet des Aripuanã-Flusses statt, dort wo die Firma Arruda, Junqueir & Co. ihren Kautschuk erntete.

Der Vorsitzende des Unternehmens, Antonio Mascarenhas Junqueira, plante das Massaker, da er die Cinta Larga-Indianer als störend für seine Geschäfte empfand. „Diese Indianer sind wie Parasiten, sie sind verabscheuungswürdig. Es ist an der Zeit diese Schädlinge zu erledigen. Lasst uns diese Herumtreiber endlich vernichten.“

Der Geschäftsführer mietete ein kleines Flugzeug, aus welchem Dynamit auf ein Dorf der Cinta Larga geworfen wurde. Einige Zeit später kamen einige der Killer zu Fuß in das Dorf, um auch noch die letzten Überlebenden zu beseitigen. Dort fanden sie eine Frau beim Stillen ihres Babys. Sie töteten das Baby mit einem Kopfschuss, hängten die Mutter kopfüber an einen Baum und schlitzten sie auf.

Nach diesen Beispielen kann man sehen, weshalb die Indigenen keinen Kontakt mit der Außenwelt haben wollen. Massaker, Epidemien und unvorstellbare Brutalität – haben ihr kollektives Gedächtnis derart geprägt, dass sie nun den Kontakt mit der Außenwelt um jeden Preis zu vermeiden versuchen

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