Wer ist der Mensch hinter dem Namen Papst Franziskus?

Er ist Argentienier, gelernter Chemietechniker und Fußballfan. Diese kurze Beschreibung würde vermutlich auf einige Menschen zutreffen. Doch er ist auch seit dem 13. März 2013 der 266. Papst und zugleich auch der erste Lateinamerikaner, der dieses Amt bekleidet. Es geht um Papst Franziskus. In das Amt des Papstes wird man nicht hineingeboren. Die Päpste hatten zuvor auch ein Leben. Was für ein Mensch steckt also hinter Papst Franziskus?

Er soll bescheiden und volksnah sein und sich für die Armen einsetzen. Wegen seines sozialen Engagements wird er auch als „Kardinal der Armen“ bezeichnet. Zunächst aber mal ganz von vorne: Jorge Mario Bergoglio wurde am 17. Dezember 1936 in einem Vorort von Buenos Aires geboren. Er und seine vier Geschwister wuchsen als Kinder von italienischen Einwanderern auf und erhielten die argentinische und die italienische Staatsbürgerschaft. Der junge Argentinier schloss die Schule mit einem Diplom als Chemietechniker ab. Im Alter von 21 Jahren entschied sich Bergoglio für den Priesterberuf. Zu dieser Zeit war er an einer schweren Lungenentzündung erkrankt. Ihm wurde sogar ein Teil seiner rechten Lunge entfernt, was eine dauerhafte gesundheitliche Belastung darstellt. Am 11. März 1958 trat Mario Bergoglio dem Jesuitenorden bei.

Jesuiten sind die Mitglieder der katholischen Ordensgemeinschaft Gesellschaft Jesu. Sie wurde 1534 vom Freundeskreis um Ignatius von Loyola gegründet. Sie verpflichten sich zu Armut,  dem Zölibat und Gehorsam, insbesondere gegenüber dem Papst.

Franziskus ist der erste Jesuit, der Papst geworden ist. In Chile studierte Bergoglio Geisteswissenschaften und Philosophie. Er machte seinen Abschluss 1960 und kehrte nach Argentinien zurück. Dort begann er an der Theologischen Fakultät in San Miguel Theologie und Philosophie zu studieren. Dieses Studium schloss er 1970 ab. Ein Jahr zuvor empfing Bergoglio das Sakrament der Priesterweihe. Sein Terziat zur Beendigung seiner Ausbildung verbrachte er in Spanien. Das Terziat ist die dritte Prüfungszeit bevor die Priester in den Jesuitenorden eingegliedert werden.

Zurück in Argentinien arbeitete Mario Bergoglio als Novizenmeister und Theologiedozent. Da er zu Forschungszwecken auch einige Monate in Frankfurt verbrachte, spricht der Papst auch die deutsche Sprache. Ab 1990 geht seine religiöse Karriere steil bergauf. Er wurde zunächst zum Weihbischof von Buenos Aires und dann zum Erzbischof-Koadjutor ernannt. Mit der Ernennung zum Kardinal hatte Bergoglio nahezu alle Titel und Ämter erworben. Bereits 2005 war Mario Bergoglio ein aussichtsreicher Kandidat als Nachfolger von Papst  Johannes Paul II. Er verzichtete jedoch im vierten Wahlgang. Doch 2013 wurde er doch noch zum Papst gewählt. Er gab sich in Anlehnung an den Heiligen Franz von Assisi den Namen Papst Franziskus.

Viele verbinden mit seinem bescheidenen Stil die Hoffung auf einen Wandel der katholischen Kirche. Als Privatmann bevorzugt der Papst ein möglichst unauffälliges Auftreten. Er gilt als wortkarg, medienscheu und bescheiden. Zu seiner Zeit als Erzbischof wohnte er in einem Appartement anstatt in der Bischofsresidenz. Statt der Limousine nutzte er die öffentlichen Verkehrsmittel. Zudem kritisierte er die Korruption der Herrschenden und die miserablen Lebensbedingungen in seinem Heimatland. Er ist volksnah und den Armen zugewandt. Diese Einstellung bringt ihm natürlich nicht nur Freunde. Franziskus ist nun seit fast fünf Jahren im Amt. Jedoch hat er sein Heimatland bisher noch nie besucht. Man kann nur vermuten woran das liegt. Zu den gängigsten Deutungen gehört, dass er womöglich Präsident Macri meiden möchte. Jedoch musste auch seine Vorgängerin auf einen Besuch des Papstes warten. Dafür hat Franziskus fast alle anderen Länder Lateinamerikas besucht.

Allerdings wird auch er kritisiert. Vor allem sein Handeln im Amt des Provinzial im Jesuitenorden in Argentinien wird stark kritisiert. Damals (1973-1979) gibt es Proteste gegen die Ungerechtigkeit und die Diktatur. Nach dem Militärputsch 1976 stellt sich die katholische Kirche hinter das Regime. Dies führt mitunter zu einer Spaltung der Kirche. Die meisten lehnen die Befreiungstheologie ab. Es ist für Bergoglio eine Gratwanderung zwischen sozialem Einsatz, Schutzgewährung für Verfolgte und dem Kontakt zur Militärjunta. Ihm wird vorgeworfen, er habe sich zu viel auf das Regime eingelassen. Papst Franziskus weist diese Vorwürfe jedoch zurück.

 

Quellen:

 

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