Spotify kooperiert mit Ancestry – Höre die Musik deiner Vorfahren

Mehr als 10 Millionen Menschen haben sich laut dem Genanalyse – Unternehmen Ancestry bereits für einen Gentest bei der Firma registrieren lassen. Das Unternehmen bietet desweiteren die Möglichkeit in einem digitalen Archiv selber nach den Spuren seiner Vorfahren zu suchen. Nun gibt es ein neues Angebot: Musik aus den Herkunftsländern der eigenen Vorfahren, entschlüsselt durch einen DNA – Test.

„If you could listen to your DNA, what would it sound like?“ –  Ancestry.com

Am 21. September stellte Ancestry zusammen mit Spotify das neue Angebot vor: Für eine eingesendete Speichelprobe, die für den Preis von 99$ entschlüsselt wird, erhält man eine Playlist mit Musik aus den Herkunftsländern seiner Vorfahren.
Für diesen Zweck hat Spotify länderspezifische Playlists mit populären Bands erstellt. In der Playlist für Deutschland sind unter anderem Revolverheld, Silbermond und Tokio Hotel vertreten. Laut Ancestry haben sich bereits über 10.000 Menschen für dieses neue Angebot registriert.

Nach einem Artikel, erschienen in der New York Times, basieren die persönlichen Playlists auf den meistgehörten Liedern eines Landes:

„Users’ playlists, it turns out, are simple combinations of a set of playlists created to represent each of the regions that can show up in an Ancestry DNA test.“

Diese Playlist darf allerdings nicht mit der „Musical DNA“ verwechselt werden, mit der Spotify die fünf meistgehörten Genres eines Nutzers bezeichnet. Das die „Musical DNA“ nichts mit der personalisierten DNA- Test Playlist zu tun hat, ist allerdings nicht offensichtlich.

Für die Erstellung der DNA-Playlist erhält Spotify eine Liste mit den Ländern aus denen die Vorfahren eines Nutzers stammen. Die genauen Ergebnisse der Analyse liegen bei Ancestry. Zum Schutz dieser sensiblen Daten schreibt das Unternehmen auf seiner Hompage:

„Der Schutz Ihrer Daten ist uns sehr wichtig. Wir bewahren Ihre DNA-Probe, Ihre DNA-Testergebnisse und andere, von Ihnen bereitgestellte personenbezogene Daten unter Anwendung der branchenüblichen Sicherheitsmaßnahmen auf. Außerdem bewahren wir Ihre DNA-Testergebnisse und Ihre DNA-Probe ohne Ihren Namen oder andere übliche Identifikationskennzeichen auf. Sie sind der Eigentümer Ihrer DNA-Daten. Sie sind jederzeit berechtigt, Ihre DNA-Rohdaten herunterzuladen, Ihre DNA-Testergebnisse laut Bestimmungen in der Datenschutzerklärung von AncestryDNA von uns löschen oder Ihre physische DNA-Speichelprobe von uns vernichten zu lassen. Außer gemäß gesetzlicher Verpflichtung oder mit Ihrer ausdrücklichen Einwilligung leiten wir Ihren Namen oder andere übliche Identifikationskennzeichen in Verbindung mit Ihren genetischen Daten nicht an Drittparteien weiter“ – AncestryDNA

Christian Gschwendtner, der Autor des Artikels „Erst denken, dann spucken“ auf der Wissensseite der Süddeutschen Zeitung Nr. 225 vom 29./30. September 2018 hebt hervor, dass Wissenschaftler des „Science“ Magazins bereits vor fünf Jahren nachweisen konnten, dass ein Mann „nur durch die Abfolge seiner Y – Chromosomen und den Abgleich in einer öffentlichen Datenbank identifiziert werden konnte.“ Somit ist DNA nie vollständig anonym und eine hundertprozentige Anonymisierung der Daten kann aus biologischen Gründen nicht gegeben sein – denn jeder Mensch hat eine einzigartige DNA, über die er mit entsprechenden Mitteln identifiziert werden kann.
Gschwendtner betont: Trotz Anonymisierung verkaufen viele Genanalyse-Unternehmen die Daten ihrer Nutzer, oftmals an Pharmakonzerne.

Somit ist meiner Meinung nach naheliegend, dass dieses Angebot von Spotify und Ancestry nur eine große Werbeaktion ist, um an Nutzerdaten (in diesem Fall die DNA) zu gelangen, da die DNA -Playlist durch die ungenaue Bezeichnung leicht mit der „Musical DNA“ von Spotify verwechselt werden kann, obwohl diese nichts mit der Kooperation zu tun hat. Durch diese Verschachtelung der Angebote und Namen, ist es erst einmal nicht klar, was wohin gehört – die Palette an Angeboten wird unübersichtlich.

Die Bedeutung der Herausgabe von DNA wird dabei mit der Verknüpfung von Spotify (und damit mit einer alltäglichen Tätigkeit wie dem Musikhören) in einen neuen, ungewöhnlichen Zusammenhang gebracht. Das kann zur Folge haben, dass Nutzer weniger über die Bedeutung oder Folgen der Herausgabe ihrer persönlichen Daten nachdenken, oder darüber, wofür die Ergebnisse ihrer DNA-Analyse in naher oder ferner Zukunft verwendet werden könnten. Für groß angelegte Forschungen ist eine einzelne DNA-Analyse zwar nicht von großem Belang, mit einer große Menge an Analysen lässt sich in der Therorie jedoch einiges machen – positiv wie negativ. Hat ein Nutzer dem AncestryDNA Informed Consent zugestimmt, so können seine Daten (wie beispielsweise die Ergbenisse des DNA – Tests) zu weiteren Forschungszwecken verwendet werden, solange dem nicht widerrufen wird.

 

 

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