Überwachungskameras: ist das „SeeChange“ Programm heutzutage Realität?

Das fiktionale Computerprogramm „SeeChange “, welches im Buch „The Circle“ von Dave Eggers beschrieben wird, entspricht einer extremen Form von Videoüberwachung , welche das Ziel hat, alles, was in der ganzen Welt täglich passiert, sehen zu können. Dafür werden ganz kleine für fast alles undurchlässige Kameras weltweit eingebaut. Aber sind solche Überwachungssysteme tatsächlich von der Realität so entfernt?

Heutzutage kann ein Staat gravierende gesellschaftliche Probleme  wie Verbrechen und insbesondere Terrorismus dadurch schneller lösen, dass er systematisch seine Bevölkerung überwacht. Wenn die Überwachung des Bürgerlebens so weit getrieben wird, dass sie eine wichtige oder sogar zentrale Eigenschaft der staatlichen Hand­lungs­wei­se geworden ist, spricht man von einem sogenannten Überwachungsstaat (bzw. „Big-Brother-Staat“). Dieser Überwachungsmethode ähnelt das „Seechange“- Programm in Bezug auf die Handlungsmittel (nämlich winzige überall installierte Kameras)  und das Ziel („mehr Sicherheit den Menschen zu garantieren“). Viele Länder haben sich entschieden, solche Maßnahmen zu ergreifen und sind quasi Überwachungsstaaten geworden.

Zum Beispiel wird in China ein Experiment durchgeführt, das sogenannte „Aufbau eines Sozialkredit-Bewertungsystems“, welches darauf zielt, alle Schuldner zu kontrollieren und sie quasi dazu zu „verpflichten“, ihre Schulden zu bezahlen. Dabei wird ihre Freiheit stark eingeschränkt, da sie nicht fliegen, Bus oder Zug fahren und in Luxus-Hotels übernachten dürfen. Der Staatsrat Chinas hat dabei geplant, dass dieses Experiment bis 2020 zum landesweiten Überwachungssystem für alle Bürger ausgeweitet werden soll.

Weitere Beispiele für solche Überwachungsmitteln sind zwei Computerprogramme, Prism und Tempora , welche von der NSA (bzw. National Security Agency, der größte Auslandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten) dafür benutzt werden, „die Sicherheit des Landes zu halten“. Durch diese Softwares hat die NSA Zugriff auf die Server von Microsoft, Google, Facebook, Apple, Yahoo, Skype usw., und das ermöglicht das Ausspionieren von Firmen, Politikern, Behörden und der Presse – sowie eben von allen Privatpersonen. Dabei wird die Privatsphäre von jedem Menschen stark eingeschränkt.

In Frankreich werden durch Daten „potenzieller Gewalttäter ab 13 Jahren“ vom Inlandsgeheimdienst DCRI (Direction centrale du Renseignement intérieur) in der Datenbank „Edvige“ zentral erfasst. Diese können, auch wenn die Person keine Straftat begangen hat, gesammelt werden. Dabei werden alle Daten zu Adressen, Familienstand, Steuer, Vorstrafen, zur Anmeldung des Autos, zum Bekanntenkreis, Körpermerkmalen, Fotos und in Ausnahmefällen auch zur ethnischen Abstammung, der Gesundheit und dem Geschlechtsleben. Es ist auch möglich, Daten von Personen zu speichern, die vorhaben, eine bedeutende Rolle im öffentlichen Leben in verschiedenen Bereichen wie Politik, Wirtschaft usw. zu spielen. Und auch in diesem Fall wird die Privatsphäre verletzt.

Diese sind nur manche von vielen Beispielen von Ländern, welche davon überzeugt sind, dass eine ständige Überwachung der Gesellschaft die beste Lösung aller Sicherheitsproblemen ist, aber ist das gegen den Menschen gerecht? Ein Staat, der seine eigenen Bürger überwacht, erweckt Misstrauen. Die Menschen fühlen sich ständig überwacht und verhalten sich anders. Man hat immer davon Angst,etwas falsch zu machen und deswegen gestraft zu werden. Man muss immer darüber nachdenken, ob seine Aussage missverstanden werden kann, wenn man über ein bestimmtes Thema  seine Meinung teilt. Also ist die „freie Meinungsäußerung“, einer der wichtigsten Menschenrechten, nicht mehr so zwanglos. Somit wird die Freiheit der Menschen eingeschränkt und man fühlt sich dabei unwohl, und das führt zu einer negativen Stimmung der Gesellschaft. Außerdem kann durch eine so übertriebene Überwachung eine Machtkonzentration entstehen, da alle persönliche Daten der Bevölkerung im Besitz der Regierung gehalten sind. Das kann zu der Entstehung einer „digitalisierten Diktatur“ führen, wie der Autor Georg Orwell schon in seinem Roman „1984“ mit der „Big Brother-Regierung“ sich vorgestellt hatte.

Wir sollen uns fragen: wird unsere Sicherheit wirklich garantiert sein, wenn wir unsere Freiheit aufgeben? In welchem Verhältnis stehen Sicherheit und Freiheit? Ist ein Wert dem anderen übergeordnet?

Was ich daran denke, kann sich in diesem Zitat zusammenfassen:

„Jene, die Freiheit aufgeben, um eine vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit“                                                                                                           – Benjamin Franklin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.