Spionage übers Smartphone – Wie Eltern ihre Kinder kontrollieren

Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist besser. Verlasse dich nur auf selber Nachgeprüftes. Prüfe es. Kontrolliere es. Glaube nur das, was du auch mit eigenen Augen gesehen hast. Was bedeutet überhaupt Vertrauen? Wie weit darf Kontrolle gehen? Stelle dir vor du wirst den ganzen Tag beobachtet. Wirst auf Schritt und Tritt verfolgt. Deine Gespräche werden mitgehört. Deine Chats mitgelesen. Dein Weg und Standort genauestens protokolliert. Sie sehen was du siehst. Du bist nie alleine. Wie würdest du dich dabei fühlen? Wer interessiert sich so für dein Leben? Ein unheimlicher Stalker, ein eifersüchtiger Exfreund, die Polizei oder vielleicht doch deine Eltern.

Doch warum das alles? Warum müssen deine Eltern alle Details über deinen Tag wissen? Der Grund ist Kontrolle und fehlendes Vertrauen. Nicht immer ist es ein fehlendes Vertrauen zu seinem Kind, viel öfter fehlt das Vertrauen in die heutige Gesellschaft. Fehlendes Vertrauen, das zu einem größeren Kontrollverlangen führt. Ein Grund dafür ist das Internet. Kinder haben schon frühzeitig Zugang dazu, aber meist nicht das Wissen welche Gefahren es auch bergen kann. Auch ist die Kontrolle der Aktivität im Internet deutlich schwerer, da Suchverläufe gelöscht werden können, Seiten passwortgeschützt sind usw. Die Präsenz der Medien, die Vorfälle von Kindesmissbrauch oder sonstigen Straftaten dokumentieren und veröffentlichen, wird immer größer und so wird auch die Angst immer größer, dass deinem Kind auch so etwas geschieht.

Um dieser Angst entgegenzutreten gibt es diese verschiedene Möglichkeiten sein Kind zu überwachen. Auf der Website https://kinderueberwachung.com kann man einen Testbericht zu einer Überwachungssoftware „mSpy“ lesen. Mithilfe dieser Software, die auf dem Smartphone des Kindes installiert ist, ist es Eltern möglich jederzeit den Standpunkt ihres Kindes herauszufinden. Diese Funktion soll das Verlaufen vorbeugen, Entführungen verhindern und falsche Freunde, die das Kind vielleicht auf einen falschen Weg führen, fernzuhalten. Zusätzlich dazu kann man das Mikrofon aktivieren und damit Gespräche in der Nähe mithören. Damit können kriminelle Aktivitäten verhindert werden, da Eltern schon frühzeitig über das Geschehen Bescheid wissen. Auch die Kommunikation über das Handy kann komplett überwacht werden. So kann man Nachrichten aller möglichen Messenger mitlesen und Telefonate aufzeichnen. Dies wird wieder damit begründet, illegale Machenschaften frühzeitig zu regulieren, Cybermobbing zu überwachen und möglicherweise zu stoppen, aber auch der Schutz der Daten wird so mehr gewährleistet, da man jede Aktivität sieht und so mit seinem Kind über die Sensibilität mancher Inhalte sprechen kann. Um das Sehen von Inhalten, die nicht für die Augen eines Kindes bestimmt sind, zu verhindern, kann man ebenfalls Websites sperren,  auch kann man die Suchverläufe des Kindes zurückverfolgen, gespeicherte Lesezeichen sehen. Wie Websites kann man auch Apps sperren zur Vermeidung von In-App Käufen, gewaltverherrlichenden oder pornographischen Inhalt.

Mithilfe von „mSpy“ kann man also so gut wie alles über sein Kind erfahren und bestimmt auch viele Probleme im Voraus abwenden. Allerdings ist diese Website als kritisch zu bewerten, da sie ein Testbericht darstellen soll, aber nicht die negativen Seiten einer solchen Überwachung beleuchtet. Deswegen ziehe ich einen Artikel der Zeit hinzu, um auch die Auswirkungen zu benennen.

Der Artikel „Technik gegen Rumtreiber“ von Helmut Vensky  beleuchtet ebenfalls erst die Gefahren vor denen sich „moderne“ Eltern fürchten und beschreibt verschiedene Überwachungsmöglichkeiten wie z.B. Bänder, die den Standort an das Smartphone der Eltern weitergeben. Gegen Ende erwähnt Vensky den Begriff „Helicopter Parents“ im Zusammenhang der Überwachung.

Was sind „Helicopter Parents“?  „Helikopter Eltern“ behüten ihre Kinder in einem fast schon fanatischen Ausmaß. Dazu gehört auch bei manchen die Nutzung von Überwachungssoftwares wie „mSpy“.

Doch welche Auswirkungen hat diese vollständige Überwachung? Durch die Software können Eltern das komplette Leben des Kindes dokumentieren und im gewissen Sinne mit leben, so bekommt das Kind nie die Chance eigenständig sein Leben zu regeln. Es entsteht ein mangelndes Durchhaltevermögen, da Probleme nicht selber angegangen werden, sondern von den Eltern gelöst oder sogar vorzeitig verhindert werden. Auch der Umgang mit Konflikten und Ängsten ist nicht bekannt, da dies ebenfalls von den Eltern abgewehrt  wird, damit ihr Kind „wohlbehütet“ aufwächst. Dadurch lässt sich auch das fehlende Selbstvertrauen begründen, obwohl dies nicht so scheint, da Kinder mit dieser Erziehung oft im Mittelpunkt stehen und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Allerdings kann durch den fehlenden Umgang mit Problemen auch nicht das Gefühl eigener Stärke erreicht werden, dass man Probleme selbständig lösen kann. Selbstwertkomplexe sind auch oft eine Persönlichkeitsstörung an der diese Kinder leiden müssen, durch das fehlende Vertrauen ihrer Eltern. Dadurch fehlt ihnen auch das Vertrauen in sich selber, in ihr Handeln, ihre Meinungsäußerung, in ihr Denken. Eigene Erfahrungen mit Freunden, vor allem während der Jugend, werden eingeschränkt. Das erste Mal Alkohol trinken, vielleicht ein bisschen zu viel, bis spät in die Nacht mit Freunden am Lagerfeuer sitzen ohne beobachtet zu werden, diskutieren und auch mal streiten ohne Einmischen der Eltern, verzweifeln, weil gerade alles schief läuft. Erfahrungen, die nie gesammelt werden. Erfahrungen, die zu deiner eigenen Lebensgeschichte gehören, aber auch zu deiner Persönlichkeit. Lebenskrisen, die stärker machen. Erfahrungen, die man nie wieder machen möchte. Falsche Freunde finden, aber auch wahre. All das wird eingeschränkt durch die Augen deiner Eltern. Durch Software wie „mSpy“.

Das größte Problem bleibt. Irgendwann wird diese Zeit der Beobachtung  vorbei sein. Du wirst dein Nest verlassen, in die Welt ziehen, dein eigenes Leben leben, die Welt alleine sehen. Ein Wurf ins kalte Wasser. Denn in dieser Welt bedeutet Liebe nicht Kontrolle, deine Eltern können nicht deinen Chef überreden dir nicht zu kündigen, nicht rechtzeitig erkennen wer dir Gutes, wer dir Böses möchte. Du musst deine Probleme selber lösen. Du stehst alleine da. Und wie soll das gehen, wenn du alleine sein nie gelernt hast?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.