Rio de Janeiro: Die geteilte Stadt

 

Mit Rio de Janeiro assoziieren viele Menschen auf Anhieb die berühmte Christusstatue, den Zuckerhut, die schöne Copacabana, die aufregende Zeit während Karneval und zuletzt wahrscheinlich die Olympischen Sommer Spiele 2016. Doch Rio de Janeiro ist alles andere als eine immer fröhliche, lebendige und friedliche Stadt. In vielen Vierteln von Rio gehören Angst,  Gewalt und Drogenhandel zum Alltag.

Es gibt mehr als 1000 Elendsviertel, „Favelas“ genannt, um und in Rio de Janeiro. Die in den Favelas Lebenden wohnen meistens illegal in sehr einfachen Bauten aus Kistenbrettern, Blechkanistern und Palmwedeln. Beschließt die Stadtverwaltung, dass diese Wohnfläche anderweitig genutzt werden könnte, werden die Hütten einfach abgerissen. Auf der neu gewonnen Fläche werden dann neue Hotels gebaut, was gleichzeitig tausende von Menschen obdachlos macht. Die Stadt investiert lieber in den profitableren und wohlhabenderen Südteil der Stadt. Dieses Verhalten führt zu einer großen Kluft zwischen Arm und Reich.Die Bewohner der Slums haben meistens keine Perspektive und Chance aus der Armut herauszukommen, da sie keine Unterstützung erhalten.

Meine Schwester war diesen Frühling eine Zeit lang in Rio de Janeiro und konnte einen Einblick in das Leben in den Favelas erlangen. Als sie die Favelas besuchte war ihr eher unwohl, da Hotelmitarbeiter und andere Personen sie vor den Slums gewarnt hatten. Als sie jedoch in den Favelas ankam, kamen viele Bewohner aus ihren Häusern und begrüßten sie sehr herzlich. Eine Frau sagte, dass sie froh sei, dass mal welche sich diesen Teil der Stadt anschauen würden und nicht immer nur den Zuckerberg besichtigen, einen Cocktail trinken und wieder zurück ins Hotel fahren würden. Denn so, sagt sie, sei das Leben hier nun mal nicht. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Regierung keinen Einfluss in den Favelas hat. Meistens  werden die Viertel von Drogenkartellen oder Banden kontrolliert. Die Drogenbarone stellen ihre eigenen Regeln unabhängig von der Regierung auf. In den Favelas zahlt man auch keine Steuern, sondern meistens Schutzgelder. Außerdem haben sie ihr eigenes Müll-Entsorgungssystem. Doch viele Bewohner finden es gar nicht schlecht, dass die Drogenkartelle die Viertel kontrollieren. So fühlen sie sich wenigstens einigermaßen sicher, denn wer die Regeln der Banden nicht befolgt und zum Beispiel jemanden beraubt, erhält eine Strafe. Würde das Gebiet von der Regierung kontrolliert werden, sind Bewohner der Meinung, dass sie sich unsicherer fühlen würden.  Jeder würde machen was er will und keiner würde eingreifen und helfen.

Rio de Janeiro: eine Stadt, aber eine gespaltene Bevölkerung. Die einen, die im Reichtum und Wohlstand leben und die anderen am Existenzminimum.  Beide der 2 Bevölkerungsteile hegen starke Vorurteile und Anschuldigungen gegeneinander, weshalb eine Verbesserung der Lebenssituation fast auszuschließen ist. Sie wohnen in der selben Stadt aber in zwei unterschiedlichen Welten.

 

Hier sind weiterführende Links, falls ihr noch mehr über die Kluft zwischen Arm und Reich in Rio erfahren wollt.

Rio de Janeiro Kriminalität

http://riotimesonline.com/brazil-news/rio-politics/rios-favela-population-largest-in-brazil/

http://www.wn.de/Sport/Weltsport/2016/04/2346354-Olympia-2016-in-Rio-Armut-Gewalt-Kriminalitaet-der-traurige-Alltag-der-Favelas

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/33/brasilien-rio-de-janeiro-arm-reich-fotografie-favelas

http://www.n-tv.de/reise/In-Rio-prallen-Welten-aufeinander-article899572.html

 

 

 

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