Der Staudamm Belo Monte in Brasilien – Erneuerbare Energien um welchen Preis?

Brasilien gewinnt rund 80% seiner Energie aus erneuerbaren Energien, zu einem sehr großen Teil kommt dieser Strom von Wasserkraftwerken. Auf den ersten Blick scheint es damit ein Vorbild zu sein, wenn es um die nachhaltige, umwelt- und klimafreundliche Energiegewinnung geht. Am Beispiel des umstrittenen Wasserkraftwerkes Belo Monte zeigt sich jedoch, dass mit diesen Kraftwerken viel Schaden angerichtet werden kann.

Im Jahr 2011 begann der Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte am Rio Xingu , einem Nebenarm des Amazonas im brasilianischen Regenwald. Der Rio Xingu soll dafür zu zwei Stauseen gestaut werden, die zusammen ca. 516 km² groß sind. Im Mai 2016 wurden die ersten Turbinen des Kraftwerks offiziell in Betrieb genommen. Nach seiner geplanten Fertigstellung im Jahr 2019 soll es das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt sein.

Aufgrund der eingesetzten guten Turbinen geben die Unterstützer des Projekts an, dass das Kraftwerk einen Wirkungsgrad von über 90 % haben wird. Während der drei bis fünf Monate langen Trockenperiode wird es jedoch nur rund zehn Prozent seiner Nennleistung liefern können, über das Jahr gemittelt ergibt sich daraus eine Effizienz von ca. 39 %. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hält das elf Milliarden Euro teure Wasserkraftwerk deshalb für den ineffizientesten Damm Brasiliens.

Um das Kraftwerk zu bauen, musste Regenwald gerodet werden. Zum einen musste natürlich Platz geschaffen werden. Zum anderen musste gerodet werden, damit das Holz des Regenwalds am Grund des Stausees nicht zu klimaschädlichem Methan verrottet. Das Roden hat negative Folgen für den Klimawandel und die Artenvielfalt des Urwalds. Außerdem sammelt sich so weniger Feuchtigkeit über dem Regenwald, deshalb gibt es in anderen Teilen Südamerikas nun weniger Niederschlag. Es gibt Befürchtungen, dass Teile Südamerikas deshalb zur Steppe werden könnten.

Für dieses Bauprojekt mussten ca. 20.000 Menschen umgesiedelt werden. Als neues Zuhause wurden ihnen minderwertige Wohnungen gegeben, bei denen die entstehenden Nebenkosten so teuer sind, dass die Familien die Häuser teilweise schon wieder verlassen mussten.
Der Rio Xingu wird durch die Stauseen deutlich weniger Wasser führen. Indigene Stämme, wie z.B. die Juruna, Kayapo, oder Arara verlieren hierdurch ihre Lebensgrundlage und ihre Heimat. Auch in der nahegelegenen Stadt Altamira sind die Fischbestände zurückgegangen, wodurch viele Fischerfamilien von ihrem Einkommen nicht mehr leben können. Ein Teil der Stadt wurde außerdem überflutet, nachdem Niederschläge für einen unerwartet hohen Wasserstand in den Stauseen gesorgt hatte. Viele der dort lebenden Familien wurden für den Schaden bis heute nicht entschädigt.
Nach der Verfassung Brasiliens hätten die indigenen Völker ein Recht auf das von ihnen traditionell besiedelte Land und es bedürfte ihres Einverständnisses bei derartigen sie betreffenden Entscheidungen. Es gibt jedoch ein Gesetz, das die Aufhebung von Grundrechten ermöglicht, wenn dies im „nationalen Interesse“ liegt. Deshalb war es möglich, dass der Staudamm trotz Streiks, Besetzungen, zeitweisen richterlichen Baustopps und missachtetet Umweltauflagen gebaut werden konnte.

Ist es gerechtfertigt, den Bau eines Kraftwerk unter solchen Umständen durchzusetzen?
Brasilien ist wegen seines Mangels an fossilen Brennstoffen auf Energie aus Wasserkraftwerken angewiesen. Konflikte zwischen der Regierung, die wirtschaftliche Interessen verfolgt, und der indigenen Bevölkerung, die ihre Lebensgrundlage und Heimat verteidigt, gibt es in Brasilien immer wieder. Es geht um Staudämme, und um die Nutzung der Rohstoffe des Amazonasgebietes: Tropenholz, Gold, Erdöl, Uran.

 

Buchquelle: Südamerika – Zwischen Armut und Wirtschaftsboom von Esther-Marie Merz und Camilla Landbo, 2011, S.67

 

 

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